
Wer sein individuelles Risiko kennt, kann sein Herz-Kreislauf-System schützen.| [SerienStart] Teil [01] [02] [03] |
Cholesterin ist für den Menschen als wichtiger Baustein etwa für Hormone unverzichtbar und kommt in allen Zellen vor. Doch der Fettstoff hat noch ein zweites Gesicht: Liegt es im Übermaß vor, fördert LDL-Cholesterin die Verkalkung der Arterien und kann so zu lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Denn mit hohen LDL- und niedrigen HDL-Cholesterinspiegeln steigt die Gefahr, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Die Wenigsten können ihr persönliches Risiko jedoch wirklich einschätzen.
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Wenn der Blutfluss gehemmt wird Cholesterin wird gebraucht, um Zellwände aufzubauen und Gallensäure, Hormone und Vitamin D zu bilden. Knapp drei Viertel des benötigten Cholesterins stellt der Körper in der Leber selbst her. Dabei müssen zwei verschiedene Formen unterschieden werden: das „böse“ LDL- und das „gute“ HDL-Cholesterin. Damit das Cholesterin im Blut transportiert werden kann, verpackt es unser Organismus in Eiweißhüllen. Diese Verbindungen aus Fett und Eiweiß, die sogenannten Lipoproteine, haben eine unterschiedliche Dichte. Während sich die LDL-Lipoproteine von niedriger Dichte (low density lipoprotein) an den Gefäßwänden anlagern, in die Gefäßwand aufgenommen werden und entzündliche Prozesse auslösen, was zu gefährlichen Ablagerungen führen kann, nehmen die HDL-Eiweißpäckchen von hoher Dichte (high density lipoprotein) diese Ablagerungen wieder auf und transportieren sie zum Abbau in die Leber zurück. Ablagerungen von LDL-Cholesterin in den Gefäßwänden sind deshalb so gefährlich, weil sie mit der Zeit zu Arterienverengungen mit Blutflussminderung in den dahinter liegenden Muskeln und Organen führen können. „Viele Studien belegen, dass ein zu hoher LDL-Cholesterinspiegel die Entstehung von Arteriosklerose fördern kann“, warnt Dr. Andreas Förster. „Deshalb“, so erklärt der Berliner Kardiologe, „ist die Reduzierung des schlechten Cholesterins bei der Behandlung zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos die bisher wesentlichste Maßnahme.“ Andernfalls können eine koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und Herzinfarkt die lebensbedrohlichen Folgen sein.
Individuelle Cholesterinzielwerte Kritisch wird es vor allem dann, wenn der Verkalkungsprozess von weiteren Faktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen und Erkrankungen wie Diabetes mellitus negativ beeinflusst wird. Genau diese Risikofaktoren entscheiden auch darüber, welche LDL-Werte als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden können. Daher ist es besonders wichtig, sich beim Arzt ein individuelles Risikoprofil erstellen zu lassen. „Wenn man gesund ist und keinen oder nur einen der Risikofaktoren für eine koronare Herzkrankheit hat, dann sollte der LDL-Wert nicht über 160 mg/dl (4,1 mmol/l) liegen“, erklärt Prof. Dr. Achim Weizel. Bei Hochrisikopatienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, unter schweren Durchblutungsstörungen leiden und / oder zuckerkrank sind, sollte der LDL-Wert unter 100 mg/dl (2,6 mmol/l) liegen, so der Spezialist. Außerdem sei eine Umstellung des Lebensstils die Grundlage einer lipidsenkenden Therapie.
![]() Expertentelefon. Quelle: djd Herzgesunder Lebensstil ist ein Muss „Ausdauersportarten wie Walken, schnelles Gehen, Radfahren oder Schwimmen helfen, das gute HDL-Cholesterin positiv zu beeinflussen und das LDL-Cholesterin in Schach zu halten“, weiß Prof. Weizel. Er mahnt Übergewichtige, abzunehmen, und Raucher, ihr gesundheitsgefährdendes Hobby aufzugeben. „Generell ist es sinnvoll, nur so viele Kalorien zu sich zu nehmen wie man braucht, mehr Ballaststoffe, Obst und Gemüse zu essen und darauf zu achten, welche Sorte Fett auf den Tisch kommt“, betont der Vorsitzende der Lipid-Liga e. V. Sogar Yoga kann den Cholesterinstoffwechsel günstig beeinflussen: „Es gibt in der Tat einzelne Mitteilungen, die von günstigen Wirkungen auf den LDL-Spiegel berichten“, ergänzt Prof. Schäfer. Für den Marburger Kardiologen gelten diese Beobachtungen aber noch nicht als gesichert und müssten erst in weiteren Studien bestätigt werden.
Das Risiko gezielt senken Reichen derartige „softe“ Maßnahmen nicht mehr aus, können cholesterinsenkende Medikamente den riskanten Gesundheitszustand entschärfen. „Sie sind für alle Patienten mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße ratsam, wenn die vom Arzt definierten Cholesterinzielwerte durch Lebensstiländerung und Umstellung der Ernährung nicht erreicht werden können“, führt Prof. Weizel aus. Die Behandlung erfolgt dabei unabhängig von Alter und Geschlecht bei allen Patienten, bei denen das Gesamtrisiko für koronare Herzkrankheiten eine Therapie notwendig macht. Dabei gibt es im Wesentlichen drei unterschiedliche Medikamentengruppen: „Mittel der Wahl sind die sogenannten Statine, die heute am häufigsten eingesetzt werden und dafür sorgen, dass die Leber weniger LDL-Cholesterin produziert. Darüber hinaus stehen Cholesterin-Resorptionshemmer, die die Aufnahme von Cholesterin im Darm hemmen, zur Verfügung. Und schließlich gibt es noch Gallensäurebinder, die durch eine Bindung von Gallensäuren zu einem verminderten LDL-Cholesterinspiegel führen“, erläutert Dr. Michael Elberfeld. Der niedergelassene Allgemeinmediziner empfiehlt übrigens besonders Frauen während und nach den Wechseljahren, ihren Cholesterinspiegel im Blick zu behalten – sie könnten sich dann nicht mehr darauf verlassen, dass ihre Hormone sie vor einem Herzinfarkt schützen. Doch die Gefäßrisiken setzen laut Dr. Elberfeld teils schon deutlich früher ein: „Hormonelle Verhütungsmethoden sowie familiäre und berufliche Mehrfachbelastungen können dazu führen, dass schon 30-jährige Frauen genauso stark gefährdet sind wie Männer.“
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