
Nachlese zum 1. Kölner Knie-Symposium 2009 / Expertengespräch „Nachsorge inBEWEGUNG“.„Nachsorge inBewegung“ – so lautete der Titel eines Expertengesprächs am Rande des 1. Kölner Knie-Symposiums, zu dem die OPED GmbH, Hersteller orthopädischer Rehabilitationsprodukte, eingeladen hatte. Die Teilnehmer diskutierten, wie Ärzte ihren Patienten auch nach der OP Service und Qualität bieten können. „Unsere Operation macht 50 Prozent des Erfolgs aus und die anderen 50 Prozent stecken in der Nachbehandlung“, erklärte PD Dr. Jürgen Höher, Kniespezialist aus Köln und Mitorganisator des Kongresses. Daher müsse, so einhelliger Tenor der Gesprächsteilnehmer, trotz und gerade wegen knapper Budgets noch mehr Augenmerk auf die Nachbehandlung gerichtet werden. Vorgestellt wurden neue Reha-Konzepte, die den Patienten in den Mittelpunkt stellen. Wie man die Eigenverantwortung des Patienten fördern kann und wie das wiederum auch Operateuren, Physiotherapeuten und dem Gesundheitssystem nutzt, war ebenfalls Thema in Köln.
Anzeige Beispielhaft und passend zum Thema des Symposiums stand die Nachsorge nach Kreuzbandoperationen bei der Diskussion im Vordergrund. Hier ist für die Wiederherstellung der funktionellen Stabilität ein Reha-Training besonders wichtig. Doch: „Physiotherapie ist teuer und das Gesundheitswesen bietet das nicht mehr ausreichend“, meinte PD Dr. Jürgen Höher, Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und Sportmedizin. Wegen der Budgetierung könne er Patienten seiner Praxis nicht in dem Ausmaß Physiotherapie verordnen, wie es für die Heilung der Verletzung hilfreich wäre. „Wir müssen nach anderen Wegen suchen, wie wir den Patienten trotzdem mit seinen Verletzungen adäquat behandeln können“, so Höher. Er verwies als ökonomische Alternative auf gecoachte Heimprogramme. Dabei trainiert der Patient in Eigenregie und mit Hilfsmitteln wie Bewegungsschienen oder Gymnastikball, begleitet durch telefonische Anleitungen und Kontrolluntersuchungen. Studien in den USA hätten gezeigt, dass damit gute Ergebnisse erzielt werden können.
Eigenmotivation der Patienten Dreh- und Angelpunkt Allein einen Zettel mit Übungen mit nach Hause zu geben, reicht aber nicht. „Eine Kreuzbandoperation ist nur dann erfolgreich, wenn der Patient motiviert ist. Einen Patienten, der nicht gesund werden will, können Sie so toll operieren, wie sie wollen – das wird nie was, weil der nämlich in der Nachbehandlung nicht mitspielt“, so Dr. Höher. Auch Physiotherapeut Günter Hübner unterstrich dies mit seinen Erfahrungen aus Kliniken: „Die Eigenmotivation des Patienten wird der Dreh- und Angelpunkt. Das wird immer wichtiger.“ Und weiter: „Viele Operateure sagen ihren Patienten heute: Ich habe Ihnen ein neues Kreuzband eingebaut. Aber jetzt sind Sie dran, lieber Patient.“ Und letztlich interessiere sich der Patient auch nicht für die Operationsmethode an sich, sondern dafür, wie gut sein Kniegelenk hinterher wieder funktioniere. Dabei sei er oft erstaunt gewesen, was Patienten alles über die Operation wussten: „Was jedoch die Nachbehandlung anging, wussten die meisten relativ wenig“, berichtete Hübner.
![]() Foto: CAMOped Nachbehandlungskonzept als Service für Ärzte und Patienten Vor diesem Hintergrund begrüßte Chirurg Höher den Ansatz von OPED. Diese stellt Ärzten und Patienten in der Nachbehandlung begleitende Maßnahmen zur Verfügung, die weit über die Anwendung der eigenen orthopädischen Hilfsmittel hinausgehen. Höher: „Ich bin recht offen für neue Wege.“ Dabei kommt es ihm auf zwei Aspekte an: Zum einen könne man so die Nachbehandlung ökonomischer machen. Zum anderen sei die Philosophie richtig. Wenn man den Patienten mehr selbstverantwortlich einbindet, bekommt er eine andere Motivation, so Höher. Er selbst habe nicht die Zeit, jedem Patienten ausführlich zu erklären, wie es nach der OP Woche für Woche weitergeht. Er hofft, dass dies zu einer Akzeptanz durch die Politik führt. „Das ist nicht sein Business, das schafft er nicht“ sekundiert auch Sporttherapeut Jörg Schröder. Er ist bei OPED verantwortlich für die Entwicklung von Behandlungskonzepten und –systemen. Daher unterstütze OPED den Arzt in Sachen Nachbehandlung. Jeder Patient erhält zusammen mit der aktiven Bewegungsschiene CAMOped einen Therapieplan. Der Operateur braucht darin nur noch den zeitlichen Verlauf der Reha festlegen – abgestimmt für den einzelnen Patienten und auf die jeweils angewandte Operationsmethode. Die Übungen für die jeweilige Phase und Hinweise zur Heilung findet der Patient ausführlich in einer begleitenden Broschüre mit dem Titel „Alles was ihr Knie braucht“ und auf einer Website.
Physiotherapeut als Coach, Industrie als Vorreiter Wie Jörg Schröder weiter ausführte, gehe es aber nicht darum, mit dem Nachbehandlungskonzept die Krankengymnastik zu ersetzen, sondern sie zu ergänzen: „Der Physiotherapeut sieht den Patienten zweimal in der Woche, aber in der Zeit dazwischen und ergänzend zur zwanzigminütigen physiotherapeutischen Behandlung kann der Patient natürlich auch noch etwas tun, um sein Ergebnis zu verbessern, wenn er dabei eine geschickte Anleitung und gute Informationen hat.“ Die Rolle des Physiotherapeuten werde sich so allmählich ändern: weg von der manuellen Behandlung hin in Richtung Motivator und Coach. Auch über die Funktion des Sanitätsfachhandels wurde in diesem Zusammenhang diskutiert. Allerdings könne hier nur eine Einweisung in die Hilfsmittel erfolgen. Eine Begleitung der Reha, z. B. über eine Telefonkontrolle, sei derzeit nicht finanzierbar. Vielmehr sieht sich hier die Industrie als Vorreiter, wie Udo Hakenberg, Regionalleiter West der OPED GmbH ausführte. „Jeder Patient, der unsere Bewegungsschiene CAMOped verordnet bekommt, wird angerufen von uns“. Die Botschaft müsse sein: „Wenn du deine Übungen machst, dann wird es dir besser gehen.“ Umgekehrt muss man aber die Verletzten auch aufklären, was man besser nicht zu früh tun sollte: „Eine gute Info ist der beste Schutz vor Über- und Fehlbelastung, z. B. im Fitnessstudio, im Fußball- oder Sportverein.“
![]() Foto: CAMOped Fazit: Gute Nachbehandlung nutzt Patient, Arzt und Krankenkassen
Die Erfahrungen mit dem neuen Nachbehandlungskonzept seien gut, so Jörg Schröder: „Wenn der Arzt dem Patienten etwas an die Hand geben kann, mit dem er sich auch betreut fühlt und wo er Fragen beantwortet bekommt, dann fühlt er sich in guten Händen. Er wird dann sicherlich auch positive Worte über seine Operation und diese Praxis verlieren.“ Denn den Service des Arztes könne der Patient schließlich leichter beurteilen als die medizinische Leistung. Und auch Dr. Höher bestätigt: „Ich bin natürlich daran interessiert, dass es durch gute Nachbehandlung ein gutes Ergebnis wird.“ Denn letztlich falle es auf den Operateur zurück, wenn der Patient über den Sportplatz humple. Die Fortschritte in den Operationsmethoden seien enorm, das würden auch die Vorträge und Live-OPs beim 1. Kölner Knie-Symposium zeigen, so Höher. Nun entscheidet sich also auch an der Nachsorge, ob die Patienten die volle Funktionalität ihrer Gelenke wieder erlangen. Und damit Beweglichkeit und Arbeitsfähigkeit langfristig sichern. Die Nachsorge als zweite, ebenso wichtige Hälfte der Behandlung neben der OP braucht mehr Beachtung. Mit Konzepten wie auf dem Knie-Symposium vorgestellt, könnte das gelingen.
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