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Teil 2: Cholesterin
Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

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Am Experten-Telefon zum Thema Cholesterin saßen:
  • Prof. Dr. med. Jürgen Schäfer, Akademischer Direktor der Philipps-Universität Marburg und Dr. R. Pohl Stiftungsprofessor für präventive Kardiologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg, Zentrum innere Medizin – Kardiologie.
  • Prof. Dr. med. Achim Weizel, Internist und Gastroenterologe, ehemaliger internistischer Chefarzt am Diakoniekrankenhaus in Mannheim. Mitgründer und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e. V.
  • Dr. med. Michael Elberfeld, niedergelassener Arzt für Allgemeinmedizin in einer Gemeinschaftspraxis in Leverkusen. Mitglied der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e. V., Schwerpunkte: praktische und innere Medizin.
  • Privatdozent Dr. med. Andreas Förster, niedergelassener Kardiologe in einer Gemeinschaftspraxis in Berlin. Mitglied der Medizinischen Fakultät der Charité, Humboldt-Universität. Schwerpunkte: Gefäßkrankheiten, entzündliche Herzerkrankungen, Fettstoffwechselstörungen.
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    1. Bei meinem Mann wurden erhöhte Cholesterinwerte festgestellt. Er hat einen stressigen Job, raucht täglich zehn Zigaretten und isst am liebsten Fleisch – muss er jetzt sein ganzes Leben umkrempeln, wenn er keinen Infarkt riskieren will?
    Prof. Jürgen Schäfer: Das ganze Leben muss Ihr Mann gewiss nicht umkrempeln. Allerdings sollte er unabhängig vom erhöhten Cholesterin unbedingt mit dem Rauchen aufhören. Gegen mageres Fleisch ist dagegen nichts einzuwenden, wobei auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse geachtet werden sollte. Stress alleine führt nicht zu einem Herzinfarkt, lediglich wenn es sich um ein Übermaß an unangenehmem, sogenanntem Disstress handelt. Bezüglich des Cholesterinwerts wäre es wichtig zu wissen, wie hoch das LDL- beziehungsweise das HDL-Cholesterin tatsächlich ist. Zur Einschätzung des individuellen Herzinfarktrisikos sind die im Internet abrufbaren Risikorechner wie zum Beispiel der sogenannte Procam-Score (www.chd-taskforce.com) hilfreich.
    2. Ich habe gehört, dass Sport hohe Cholesterinwerte senken soll. Stimmt das? Welche Sportarten sind empfehlenswert? Kann auch Yoga helfen?
    Prof. Jürgen Schäfer: Sport oder zumindest mehr Bewegung im Alltag ist grundsätzlich empfehlenswert. Mit Sport lässt sich das schädliche LDL-Cholesterin jedoch nur um etwa fünf Prozent senken. Aber insbesondere Ausdauersport hat günstige Effekte auf den HDL-Spiegel und kann diesen „gefäßwandschützenden Faktor“ deutlich erhöhen. Bezüglich des Effekts von Yoga auf den Cholesterinstoffwechsel gibt es in der Tat einzelne Mitteilungen, die von günstigen Wirkungen auf den Cholesterinspiegel berichten. Inwieweit sich diese Beobachtungen in weiteren Studien bestätigen lassen, kann ich nicht beurteilen.
    3. Meine Tante hat einen Cholesterinwert von 270 mg/dl (7 mmol/l), doch in der Kur hat der behandelnde Arzt ihre Cholesterinsenker wieder abgesetzt und gesagt, sie müsste keine Medikamente einnehmen – kann das richtig sein? Welche Werte gelten als kritisch?
    Prof. Jürgen Schäfer: Für eine genaue Beurteilung müsste man neben dem Gesamtcholesterin auch die Werte von LDL- und HDL-Cholesterin und den Triglyceriden sowie mögliche Grunderkrankungen (zum Beispiel erhöhter Blutdruck, Zuckerkrankheit) kennen. Wenn etwa das Gesamtcholesterin nur deshalb bei 270 mg/dl (7 mmol/l) lag, weil das HDL-Cholesterin mit 130 mg/dl (3,4 mmol/l) sehr hoch gewesen ist, dann gäbe es in der Tat keinen Grund für die Einnahme eines Lipidsenkers. Wenn Ihre Tante jedoch eine koronare Herzerkrankung oder gar einen Herzinfarkt hatte, dann wäre auf alle Fälle ein LDL-Zielwert von unter 100 mg/dl (< 2,6 mmol/l) anzustreben und der lässt sich häufig nur mit Medikamenten erreichen.

    Quelle: djd MSD Essex
    4. Ich habe häufiger gelesen, dass Cholesterin gar nicht schlimm ist und das Thema übertrieben dargestellt wird. Wie schädlich ist ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel denn nun wirklich und kann ich überhaupt – mit Medikamenten oder ohne – dagegen aktiv werden?
    Dr. Andreas Förster: Cholesterin ist ein Fett, das aus einigen Untergruppen besteht und in allen menschlichen Zellen vorhanden ist. Wir benötigen es für die körpereigene Herstellung verschiedener Hormone, Vitamine, Gallensäuren und vor allem als Bestandteil der Zellmembran. Erhöhte Werte des häufig auch als „schlechtes“ Cholesterin bezeichneten LDL-Cholesterins können jedoch mit der Zeit zu Arterienverengungen mit Blutflussminderung in den dahinter liegenden Muskeln und Organen führen. Dieser Verkalkungsprozess ist von weiteren Faktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen und anderen Erkrankungen abhängig. Da viele Studien belegen, dass ein hoher LDL-Cholesterinspiegel die Entstehung von Arteriosklerose fördern kann, ist es Ziel der Mediziner, diesen Risikofaktor zu senken. Am effektivsten ist dies mit Medikamenten möglich. Doch allgemeine Maßnahmen wie eine ausgewogene Ernährung und mehr Bewegung im Alltag bilden immer die Basis jeder Therapie.
    5. Ich bin schlank und sehr sportlich – dennoch hat meine letzte Blutuntersuchung erhöhte Cholesterinwerte ergeben. Wie kann das sein?
    Dr. Andreas Förster: Als Erstes muss geklärt werden, welche Form des Cholesterins erhöht ist. Denn wenn das Gesamtcholesterin durch ein hohes “gutes“ HDL-Cholesterin bedingt ist, bedeutet dieses in der Regel keine Gefährdung, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln. Der individuelle Cholesterinstoffwechsel ist allerdings stark genetisch geprägt. Sind in einer Familie frühe Todesfälle durch Herzinfarkt oder Schlaganfall dokumentiert, ist das Krankheitsrisiko der übrigen Familienmitglieder oft deutlich erhöht. Durch eine Blutuntersuchung kann dies gut eingeschätzt werden. Anhand von Bewertungssystemen, die weitere Faktoren berücksichtigen, kann letztlich nur der Arzt entscheiden, ob eine Behandlung erforderlich ist.
    6. Ich esse gern Eier zum Frühstück. Doch meine Mutter meint, es sei besser, zwei Mal in der Woche drei Rühreier zu essen als täglich eins – stimmt das?
    Prof. Achim Weizel: Pro Tag kann aus dem Darm nur eine bestimmte Menge an Cholesterin aufgenommen werden. Diese Menge ist individuell verschieden, in der Regel liegt sie zwischen 350 und 500 Milligramm. Wird mehr Cholesterin mit der Nahrung aufgenommen, zum Beispiel durch hohen Verzehr von Eiern, so wird der größte Anteil davon wieder mit dem Stuhl ausgeschieden. Ein Ei enthält etwa 300 Milligramm Cholesterin, die Zubereitungsart spielt dabei keine Rolle. Lediglich durch den kompletten Verzicht auf das Eigelb kann die Cholesterinzufuhr reduziert werden.
    7. Gibt es eigentlich auch Möglichkeiten, den Wert des guten Cholesterins im Blut zu erhöhen, statt den des schlechten zu senken?
    Dr. Andreas Förster: Die Reduzierung des „schlechten“ Cholesterins ist bei der Behandlung zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos die bisher wesentlichste Maßnahme. Auf der anderen Seite ist die Erhöhung des „guten“ HDL-Cholesterins ein weiteres Therapieziel. Aus vielen Studien ergibt sich, dass HDL-Cholesterin durch Veränderungen des Lebensstils erhöht werden kann – etwa durch körperliche Aktivitäten bis zu 30 Prozent, durch Beendigung des Rauchens um fünf Prozent und durch reduzierten Alkoholgenuss um acht Prozent. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann man bei Risikopatienten auch mit Medikamenten eine HDL-Erhöhung erzielen.

    Quelle: djd MSD Essex
    8. Ich habe Diabetes und ein erhöhtes Cholesterin – mein Arzt hat mir nun Cholesterinsenker verordnet. Gibt es unterschiedliche Medikamente und muss ich mit Nebenwirkungen rechnen?
    Dr. Michael Elberfeld: Mittel der Wahl sind die sogenannten Statine, die heutzutage am häufigsten eingesetzt werden und dafür sorgen, dass die Leber weniger LDL-Cholesterin produziert. Darüber hinaus stehen Cholesterin-Resorptionshemmer, die die Aufnahme von Cholesterin im Darm hemmen, zur Verfügung. Und schließlich gibt es noch Gallensäurebinder, die durch eine Bindung von Gallensäuren zu einem verminderten LDL-Cholesterinspiegel führen. Bei jeder Therapie kann es auch zu Nebenwirkungen kommen, doch im Regelfall treten diese sehr selten auf, so dass die Medikamente generell als sehr gut verträglich eingestuft werden.
    9. Ich habe gehört, dass Frauen ab dem mittleren Alter ein erhöhtes Infarktrisiko haben. Auf welche Warnsignale muss ich achten? Wie kann ich vorbeugen?
    Dr. Michael Elberfeld: Frauen müssen vor allem in der Nacht und den frühen Morgenstunden auf eher untypische Signale achten – Zahn- und Kieferschmerzen können ebenso ernstzunehmende Symptome sein wie Rücken- und Oberbauchbeschwerden und vermeintliche Kreislaufprobleme mit Schweißausbrüchen und Übelkeit. Häufig werden Infarktanzeichen auch als Brustwirbelsäulenbeschwerden abgetan. Viele Frauen vor der Menopause verlassen sich auf ihren natürlichen hormonellen Schutz. Doch hormonelle Verhütungsmethoden sowie familiäre und berufliche Mehrfachbelastungen können dazu führen, dass 30-jährige Frauen genauso stark gefährdet sind wie Männer. Um vorbeugen zu können, sollten Frauen daher ein Risikoprofil erstellen lassen, in das Rauch- und Essgewohnheiten, Verhütungsmethoden und Lebensstil ebenso mit einfließen wie Blutdruck, Blutzucker- und LDL-Cholesterinwerte.
    10. Meine Schwägerin hat einen niedrigeren Cholesterinwert als ich, trotzdem muss sie – im Gegensatz zu mir – Tabletten einnehmen. Kann das richtig sein?
    Dr. Michael Elberfeld: Das kann sehr wohl richtig sein. Denn die tolerable Höhe des LDL-Cholesterinwertes hängt vom persönlichen Risikoprofil ab. So kann eine Frau ohne Risikofaktoren und mit einer im Hinblick auf Herzkrankheiten unauffälligen Familiengeschichte sehr gut mit einem LDL-Cholesterin von 160 mg/dl leben (4,1 mmol/l), während zum Beispiel Patientinnen mit Diabetes mellitus oder einem bereits erlittenen Herzinfarkt selbst bei einem LDL-Cholesterinwert um 100 mg/dl (2,6 mmol/l) noch medikamentös behandelt werden müssen.
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    Quelle: djd
    [ TS ]
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         [14.05.2009]
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