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Da freut sich die Bandscheibe
Kreuzschmerzen, Rückenprobleme, Bandscheibenvorfall – so was krieg ich doch nicht.

Kreuzschmerzen, Rückenprobleme, Bandscheibenvorfall – so was krieg ich doch nicht, dachte auch Hermann Pfann jahrelang. Das seien doch wohl eher medizinische Folgen von körperlich schwerer Arbeit. Er aber sitzt als Sozial­versicherungskaufmann bequem am Schreibtisch. Außerdem kriegen so was nur unsportliche Faulenzer – glaubte der ehemalige Vereinsfußballer.
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Vom 12. Lebensjahr an hat er gekickt und zweimal die Woche trainiert. 14 Jahre lang regelmäßig Sport getrieben, was sollte ihm schon passieren? Und als er mit 26 nach der Hochzeit die Stiefel an den Nagel hängte, zog er die Laufschuhe an, hielt sich drei-, viermal pro Woche mit Waldläufen fit.
Zwölf Jahre lang ging der ganz persönliche Fitnessplan von Hermann Pfann voll auf, aber dann hat es ihn plötzlich doch erwischt: Bandscheibenvorfall im HWS-Bereich. Erst Beschwerden, dann Schmerzen, schließlich Einschränkungen in der Beweglichkeit und zuletzt ein Taubheitsgefühl im rechten Arm. Für die Ärzte ein klarer Fall. Die angeboren schwache Rückenmuskulatur war beim Fußballtraining völlig zu kurz gekommen, und konnte natürlich auch durch Waldläufe nicht gerade kräftiger werden. Und die Jahre in gebeugter Haltung am Schreibtisch haben ihr dann den Rest gegeben.

Foto: Medien-Seifert/Dieter Seifert
Typischer Rundrücken, deformierte Brustwirbel ­– am besten, wir schicken Sie zur Kur, rieten die Ärzte. Doch Hermann Pfann, der Bodenständige, wollte nicht weg von zu Haus, von Frau und Kindern. Zum Glück für ihn hatte sich im heimischen Wendelstein gerade das "Alpha-Reha-Zentrum" etabliert. Dort konnten die Physiotherapeuten mit Krankengymnastik das Ärgste abwenden. Nach vier Wochen ambulanter Therapie wurde er mit der Mahnung entlassen: "Wenn Sie nicht selbst weiter machen, was Sie bei uns begonnen haben, dann sind Sie nächstes Jahre wieder hier." Die Warnung saß und erinnerte Hermann Pfann daran, dass er vor 12 Jahren schon mal Mitglied in einem Fitness-Studio war.

Foto: Medien-Seifert/Dieter Seifert
Damals hatte er bald wieder gekündigt, weil er mit Frau Susanne ein Haus bauen wollte und jeder Pfennig für die eigenen vier Wände verplant war. Der Hobby-Sport-Club residierte inzwischen in einem neuen Studio, wurde aber immer noch von Jürgen Gökeler geführt, als dessen Leidensgenosse sich Hermann Pfann quasi fühlen durfte. Bandscheibenleiden verbinden eben auch. Klar, dass sich Hermann Pfann dort in allerbesten Händen fühlt und sein Trainingsprogramm befolgt wie andere ihre ärztlichen Verordnungen. Warmup: 20 Minuten auf dem Fahrradergometer. Vom Laufen haben ihm, dem begeisterten Jogger, die Ärzte abgeraten. Das Fahrradergometer ist einfacher besser für die Körperhaltung.

Foto: Medien-Seifert/Dieter Seifert
Zwei-, dreimal hat er dem Laufband nicht widerstehen können, aber das ist seinem Rücken nicht gut bekommen. Also hält er sich an den Trainingsplan, der vor allem den Rücken stark machen soll, aber natürlich den ganzen Körper erfaßt: Rückenstrecker, Latzug, Bankdrücken ­– Hermann Pfann läßt nichts aus, selbst die Beine und Waden nicht, obwohl das nicht mehr sein Ding ist. Als Fußballer hat er ja kaum andere Körperteile trainiert. Aber Fitness und Fußball – das läßt sich sowieso nicht vergleichen.

Foto: Medien-Seifert/Dieter Seifert
Dreimal die Woche geht Hermann Pfann ins Studio und absolviert sein Pensum: Schultern und Beine den einen, Brust und Trizeps den anderen, Rücken und Bizeps am dritten Tag. "Gewicht und Zahl der Wiederholungen sind für mich zweitrangig", sagt der überzeugte Fitnessanhänger, "viel wichtiger ist es, den Übungsablauf technisch sauber auszuführen, sonst schadet es meinem Rücken eher, als das es hilft." Kein Ehrgeiz? Nicht mal zeigen, was man drauf hat? Einmal hat der einstige Wettkampfsportler beim Krafttraining sehen wollen, "was noch so geht", aber das sei ihm ganz schlecht bekommen. Mehr Fitness für die Gesundheit – das ist sein Ziel. Mehr braucht er nicht. Aber auch nicht weniger.

Foto: Medien-Seifert/Dieter Seifert
Als Ostern das Studio geschlossen hatte, fehlte ihm nach vier Tagen ohne Training was. "Ich fühle mich einfach besser, wenn ich regelmäßig trainiere, bin belastbarer. Oft komme ich abends nach Hause und bin einfach bedient – wie man so sagt. Wenn ich dann eine Stunde intensiv trainiert habe, bin ich zufrieden und ausgeglichen", beschreibt Hermann Pfann seine Empfindungen nach zwei Jahren Fitness. Als Familienmensch plagt ihn allerdings manchmal das schlechte Gewissen, wegen der Zeit, die er für sich und natürlich für seine Gesundheit aufwendet. Aber seine Frau Susanne konnte er noch nicht zum gemeinsamen Studio-Training überzeugen, sie ist lieber mit den Hunden in freier Wildbahn unterwegs.

Foto: Medien-Seifert/Dieter Seifert
Da heißt es Kompromisse schließen. Das gemeinsame Abendessen ist den Pfanns heilig. So geht Vater Hermann mal nach, mal vor dem Essen trainieren. Je nach Büroschluss. Denn pünktlich Feierabend kennt auch ein stellvertretender Teamleiter bei der AOK in Nürnberg-Langwasser nicht. Immerhin kommt ihm in seiner Position, sein Fitnesseifer zu gute. "Viele Leute kommen mit den gleichen Problemen zu mir, die ich hatte. Rückenschmerzen in allen Varianten und Stadien. Die meisten wollen am liebsten Massagen. Denen sage ich dann: Massagen bringen eine Woche Linderung – und was dann? Wenn ich denen erzähle, was mir geholfen hat, dann akzeptieren sie eher, wenn ich ihnen die Massage ablehnen muss."
Verteilt er stattdessen Pluspunkte und Prämien nach den viel zitierten Bonussystemen der Krankenkassen? Auf keinen Fall. TS

Foto: Medien-Seifert/Dieter Seifert
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     [27.06.2005]
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