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Geklebt, getaped – und schmerzfrei kuriert
Wie die moderne Medizin Muskel-, Sehnen- und Gelenkverletzungen mit einfachen Mitteln effektiv behandelt – Nach der Therapie folgt Training.

Freitag, 17 Uhr 30, Klinikum Nord, Notaufnahme. Ein Dutzend Fälle leidet stöhnend, stumm oder starren Blickes seiner Linderung entgegen. Mitten drin Beatrix L., die vor Schmerzen nicht sitzen, nicht stehen, nicht gehen kann. Im Liegen könnte sie’s aushalten, aber Liegen gibt’s im Wartesaal zur Schmerzbefreiungsstation nicht. Also sucht die 44jährige Werbetexterin ihr Heil in einem Wechsel zwischen Stehen, Sitzen und Gehen. Seit Wochen plagen Kreuzschmerzen sie. Anfangs rückte sie denen mit Eigentherapie zu Leibe: erst Wärme, dann Salben und – als garnichts half – schließlich doch der Gang zum Arzt. Am Hausarzt vorbei direkt zum Orthopäden, rumgedoktert hat sie selbst schon genug. Irgendeinem Orthopäden, so belesen war sie längst, wollte Sie sich jedoch nicht ausliefern. Nach gründlicher Telefonrecherche im Freundeskreis landete sie im nahegelegenen RehaZentrum.
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Diagnose: Degeneratives Lumbal-Syndrom

Ursache: Schwächung der rumpfstabilisierenden Muskulatur

Wirkung: Einschränkung der Belastbarkeit im Alltag

Therapie: Kräftigung der extremitäten- und rumpfstabilisierenden Muskulatur.
Auf den Punkt gebracht: Zu viel sitzende Tätigkeit, zu wenig Training für die Rückenmuskulatur.
Geahnt hatte Beatrix L. die wahren Ursachen ihrer Leiden schon lange, aber – wie so viele – immer wieder andere Prioritäten in ihrem Zeitbudget gesetzt. Jetzt bekam sie dafür die schmerzhafte Quittung. Das Übungsprogramm für’s morgendliche Training nahm sie gern und willig, eine Spritzenkur – vor allem eine auf Cortisonbasis – lehnte sie ab. Zwei Wochen lang quälte sie sich jeden Morgen durch den Trainingsplan und übte sich in Geduld. Die brauche sie, hatte der Doktor gemahnt, schließlich habe sich die Bandscheibe des letzten Wirbels schon so gut wie aufgelöst. Die müsse jetzt erst allmählich wieder aufgebaut werden.

Foto: Th. Metzger, Dr. D. Sielmann
An diesem Freitagmorgen hatte sie ihre Fortschritte überschätzt und ihre gewohnte Beweglichkeit erzwingen wollen: Eine heftige Bewegung – schon war es passiert: wie ein Messerstich war der Schmerz ihr durch Rücken, Po und Bein gefahren. Bis zum Nachmittag hatten sich die Leiden noch verstärkt. Jetzt saß sie in der Notaufnahme, und als sie endlich der diensthabenden Ärztin gegenüberstand, hätte sie selbst eine Spritze in Kauf genommen – wenn bloß diese höllischen Schmerzen erträglich würden. Dr. Annegret Gorny-Schmidt ist zwar Allgemeinärztin hält aber von den "Mit­teln der Wahl" ihrer Kollegen Schul­mediziner wenig. Statt zur Spritze griff sie Beatrix L. – sobald die auf der Liege lag – zuerst an die Füße. Mit einem Akupressur-Pen drückte die Ärztin einen Meridianpunkt am kleinen Zeh des linken Beins solange bis ihre Patientin dort keinen Schmerz mehr spürte. Dann wiederholte sie die Akupressur am kleinen Zeh des anderen Fußes, bis sich die schmerzhafte Blockade des Iliopsoas, des großen Hüft-Lenden-Muskels – langsam zu lösen begannen.
Als Beatrix L. sich anschließend auf einen Hocker setzen sollte, konnte sie die stechenden Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule schon so weit aushalten, dass sogar das leichte Vorbeugen des Oberkörpers gelang. Diese Verrenkung brauchte Dr. Gorny-Schmidt, um die Werbetexterin auf ihrem Hocker "tapen" zu können. Erst fixierte sie Klebebänder rechts und links entlang der Wirbelsäule. Dann ließ sie ihre Patien­tin sich erst nach rechts, später nach links vorbeugen, um weitere Tapes zu platzieren.

Foto: Th. Metzger, Dr. D. Sielmann
Das Verfahren nennt sich Medi-Taping und ist die Weiterentwicklung einer Technik, die in den 70iger Jahren von dem japanischen Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase kreiert worden war. Kase hatte nach sanfteren Methoden der konventionellen Chiropraktik gesucht und dabei zunächst Sport-Tapes verwendet. Damit versuchte er über die biomechanischen Strukturen der Muskulatur und die Lymphbahnen des Körpers auf die eigentlichen medizinischen Probleme einzuwirken. Wegen der mangelnden Elastizität der Tapes und der starken Kompression auf druckempfindliche Körperzonen, benutzte er bald nur noch elastischere Tapes, verfeinerte seine Methode immer weiter und fand in aller Welt Nachahmer des Kinesio-Tapens. Inzwischen feiern Mediziner wie die Ham­burger Ärztin Dr. Gorny-Schmidt erstaunliche Erfolge bei der Behandlung aktuter und chronischer Schmerzen durch bunte, luftdurchlässige und hochelastische Klebebänder aus Baumwolle. Sie kleben das hautfreundliche Tape mit einer bestimmten Technik auf Muskeln, Muskelansätze und Gelenke und erzielen allein damit schon sofortige Entspannung und somit Schmerzlinderung und Schmerzfreiheit. Spezialisierte Physio­therapeuten setzen Kinesio- oder Medi-Taping bei allen Schmerzen ein, an denen Muskeln und Sehnen beteiligt sind:
Nacken- und Rückenschmerzen,
Sportver­letzungen wie Zerrungen,
Gelenkbe­schwer­den in Knie, Hüfte oder Ellen­bogen (Tennis-/Golfellenbogen),
Sehnenentzündungen und sogar bei Spannungskopfschmerzen.
Das unter Spannung aufgebrachte Tape bewirkt
eine sanfte Dauermassage der Muskulatur,
ein Lymphdrainage und den Abtransport schmerzverstärken der Substanzen,
eine Reizung bestimmter Punkte der Haut und der Muskulatur (Triggerpunkte, Mechanorezeptoren), die das körpereigene System der Schmerzdämpfung aktivieren.
Die Tapes haben verschiedene Farben, die unterschiedliche Wirkungen signalisieren:
rot regt an
blau beruhigt
hautfarben neutralisiert zum Beispiel beim Abkleben von Nervenbahnen.

Foto: Th. Metzger, Dr. D. Sielmann
Beatrix L. trug ihre roten Tapes auf Rücken und Po wie ein japanischer Samurai. Sie konnte duschen und baden, ersparte sich hinterher aber kräftiges frottieren. Das leichte Kribbeln – hatte ihre die Ärztin gesagt – war keine allergische Reak­tion sondern Zeichen des aktivierten Stoffwechsels. Und wenn sich Tapes hier und da zu lösen begannen, wurden die Enden einfach abgeschnitten. So ein Tape hält eine Woche und kostet – je nach Aufwand – 13 bis 130 Euro, Untersuchung und Beratung nicht mitgerechnet. Die Kassen zahlen – wen wundert’s – solche Therapien nicht. Aber wer sich dank der Tapes wieder nahezu ungehindert bewegen kann, wird das verschmerzen. Eine Behandlung kann mehrere Wochen dauern. Die Wirkung des Tapes wird durch gezielte Bewegungsübungen im Fitness-Studio oder durch Krankengymnastik noch unterstützt. Und wenn der Schmerz dann abgeklungen ist, müssen Fitnesstraining und Muskelaufbau ohnehin folgen. Schließlich sollen nicht allein die Symp­tome behandelt werden sondern die Ursachen. Und die liegen fast immer in Verkürzungen und Verspannungen der Muskulatur, im Bewegungsmangel oder in Fehlbelastungen. "Je akuter das Schmerzereignis," berichtet Dr. Gorny-Schmidt, "umso frappierender die Wirkung des Tapes. Oft kann bei frischen Verletzungen sogar Schmerzfreiheit erzielt werden." Beatrix L. konnte jedenfalls am nächsten Morgen wieder fast schmerzlos gehen, stehen und sitzen, und am Abend schwang sie auf dem Geburtstag eines Kollegen sogar das Tanzbein. MR
Medi-Tape-Kontakte
www.schmerztaping.de
www.mtc-sg.de
www.schmerzundtape.de
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     [18.06.2005]
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