
Klüger essen – shape up stellt Ernährungskonzepte und Diäten auf den Prüfstand. Von Atkins, LOGI und GLYX bis Trennkost und Weight Watchers. Erst hat uns die Lebensmittelindustrie zu Fressmaschinen erzogen, jetzt ködert uns die Diätindustrie mit immer neuen Diäten , kritisiert Marilyn Migliore, Ernährungswissenschaftlerin an der University of Michigan. Von Ananas-Diät bis magische Kohlsuppe, von Atkins bis South Beach, von Low Carb zu No Carb – alle Jahre wieder kommen neue Programme auf den Markt. Doch je mehr Diäten wir machen, desto dicker werden wir. In den USA sind bereits 64% der Erwachsenen übergewichtig oder fettleibig. Zur gleichen Zeit ist dort jeder vierte Mann und jede zweite Frau auf Diät. Ein Teufelskreis, aus dem sich nur befreit, wer lernt, klüger zu essen. Doch wer findet sich im Dschungel der Ernährungskonzepte schon zurecht?
Anzeige Neun Gründe, nie wieder eine Diät zu machen 1.) Diäten funktionieren nicht.
2.) Diäten sind teuer. 3.) Diäten sind langweilig. 4.) Diäten verbessern nicht unbedingt die Gesundheit. 5.) Diäten machen nicht schön. 6.) Diäten sind nicht sexy. 7.) Diäten können zu Essstörungen führen. 8.) Diäten können Angst vor dem Essen auslösen. 9.) Diäten rauben Vitalität. Quelle: University of Michigan Mischkost – von jedem etwas, von keinem zu viel Zu den alten Hasen im Diätgeschäft zählen die Weight Watchers. Seit 35 Jahren versuchen sie, den Deutschen beim Abspecken zu helfen. Dabei legen sie viel Wert darauf, dass ihr Programm keine Diät sei. Die regelmäßigen Treffen sollen dazu dienen, den Teilnehmern ernährungswissenschaftliches Grundwissen zu vermitteln und ihnen zu zeigen, wie sie durch Ernährungsumstellung und Bewegung ihr Gewicht reduzieren können.
Empfohlen wird eine ausgewogene Mischkost mit viel Obst und Gemüse. Der Energiegehalt ist auf 1.200 und 1.800 kcal pro Tag begrenzt. Orientierung bietet ein Punktesystem, das den einzelnen Lebensmitteln Punkte zuteilt. Jeder Teilnehmer stellt sich seinen individuellen Speiseplan so zusammen, dass er sein tägliches Punktekonto nicht überzieht. Für Männer gibt es mit MP5 ein eigenes Ernährungs- und Sportprogramm, das individuell auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist.
Vorteil Alltagstauglich. Das Punktesystem ist sehr flexibel, kennt keine Verbote und erlaubt auch mal kleine Sünden. Die Teilnehmer lernen schnell, versteckte Kalorien aufzuspüren.
Nachteil Die Treffen schmälern zunächst einmal nur den Geldbeutel: Anmeldegebühr 15 Euro plus 9,95 Euro pro Woche. Urteil: Wer sich nur gemeinsam stark fühlt, findet Unterstützung in der Gruppe. Einzelkämpfer können das Ernährungsprogramm allerdings auch solo durchführen.
Weitere Informationen unter www.weightwatchers.de
Die Vollweib-Diät setzt ebenfalls auf Mischkost. Die Schauspielerin Christine Neubauer beschreibt darin ihren eigenen Jo-Jo-Leidensweg und ihre Lösung des Problems. Dabei lautet ihr Grundprinzip: Man muss essen und genießen, um erfolgreich abnehmen zu können.
Fünf Regeln helfen auf dem Weg zum Wunschgewicht: 1.) Mit Lust essen,
2.) wenig Fett, 3.) kaum Zucker, 4.) kein weißes Mehl, 5.) regelmäßige Bewegung. Vorteil: Sport spielt bei dieser Diät, die als Einstieg für eine langfristige Ernährungsumstellung geeignet ist, eine zentrale Rolle.
Praktische Übungen helfen auf die Sprünge. Urteil Alltagstauglich und auch für Berufstätige gut umzusetzen.
Info Neubauer, Christine:
Die Vollweib-Diät, Das Vollweib-Training.
Schlank nach dem Glyx-Prinzip Der glykämische Index (GI) gibt an, wie schnell der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr einzelner Lebensmittel steigt. Schnellt er rasch in die Höhe, führt das zur vermehrten Ausschüttung von Insulin, das die Bildung von Körperfett fördert und zu Heißhunger führt. Deshalb setzen sogenannte Glyx-Diäten auf Nahrungsmittel mit niedrigem GI. Dazu zählen Kohlenhydrate aus Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Gemüse und den meisten Obstsorten. Auf der Positivliste stehen außerdem Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch und gute Öle.
Vorteil Sinnvolle Lebensmittelauswahl, die gut sättigt. Bewegungsempfehlungen (Minitrampolin) runden das Programm ab.
Nachteil Glyx ist in – deshalb Vorsicht vor überteuerten Produkten wie "Glyx-Brot" – Vollkornbrot tut’s auch. Die in Tabellen angegebenen Glyx-Werte treffen nicht immer zu, da Zubereitung und Kombination von Lebensmitteln diese zum Teil stark verändern.
Urteil Viel Obst und Gemüse, ballaststoffreiche und wenig verarbeitete Lebensmittel machen diese Diäten zu einem sinnvollen Ernährungskonzept.
Glücklich und schlank mit viel Eiweiß und dem richtigen Fett so lautet das Rezept des Ernährungswissenschaftlers Nicolai Worm. Seine Logi-Methode richtet sich ebenfalls nach dem glykämischen Index. Eine große Rolle spielen die Eiweißlieferanten Fisch, Geflügel, Fleisch, Eier, Milchprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte. Worm empfiehlt, zu jeder Mahlzeit mittelgroße Portionen eiweißreicher Lebensmittel zu verspeisen und dafür auf Brot, Gebäck aus weißem Mehl, Kartoffeln, Süßigkeiten und süße Getränke weitgehend zu verzichten. Für die Zubereitung empfiehlt Worm Oliven- und Rapsöl.
Vorteil Gemüse und Obst stehen im Mittelpunkt der Ernährungsempfehlungen. Dazu gibt es Tipps für sportliche Aktivitäten, insbesondere Ausdauertraining.
Nachteil Hoher Anteil tierischen Lebensmittel.
Urteil Eine Diät mit hoher Nährstoffdichte, die gut satt macht und deshalb für die langfristige Ernährungsumstellung geeignet ist.
Info Worm, Nicolai: "Täglich Fleisch".
Trennkost – Das Prinzip des Teilens Die Trennkost basiert auf der Theorie, unser Körper könne Kohlenhydrate und Eiweiß nicht gleichzeitig verdauen. Ihr Begründer, Howard Hay, empfiehlt daher eiweißhaltige und kohlenhydrathaltige Lebensmittel nur getrennt zu essen; das Aus für Spaghetti Bolognese! Dabei sollte die Kohlenhydrat-Mahlzeit mittags, die Eiweiß-Mahlzeit abends gegessen werden.
Vorteil Trennkost ist energie- und fettarm. Nur natürliche Lebensmittel stehen auf dem Speiseplan. Als Vorspeise sollte vor jeder Mahlzeit ein Salat auf den Tisch kommen. Fast alle Obstsorten, Gemüse und Salat gelten als neutral und dürfen unbegrenzt gegessen werden.
Nachteil Die strenge Trennung der Lebensmittel ist schwierig durchzuhalten, da die meisten Lebensmittel gleichzeitig Kohlenhydrate und Eiweiß enthalten.
Außerdem gilt es inzwischen wissenschaftlich als erwiesen, dass unser Köper sehr wohl in der Lage ist, Kohlenhydrate und Eiweiße gleichzeitig zu verdauen.
Urteil Moderne Trennkost-Varianten sind der Vollwerternährung recht ähnlich. Zudem beschäftigen sich "Trennköstler" intensiv mit ihrem Essen und erziehen sich so selbst zu einem bewussten Umgang.
Info Summ, Ursula: Trennkost für 1 Person
Low Carb – nieder mit Kohlenhydraten Ob nun Atkins oder South Beach – das Prinzip der Low Carb-Diäten besteht darin, kohlenhydratreiche Lebensmittel vom Speiseplan zu verbannen und stattdessen unbegrenzt eiweißreiche und fetthaltige Lebensmittel zu essen. Das hat in den USA und Großbritannien bereits zu einer Krise der Backwarenindustrie geführt.
Vorteil Das Konzept ist leicht verständlich, eignet sich aber nur für Liebhaber deftiger Kost.
Nachteil Keine ausgewogene Ernährung, problematisch ist die Versorgung mit Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen.
Urteil Der Lerneffekt bei diesen Diäten ist gering, Sport spielt keine Rolle. Noch ist wissenschaftlich nicht geklärt, welche Spätfolgen (Nierenerkrankungen, Gicht) diese Kostform verursacht. Ob Low-Carb schmeckt, ist ebenfalls fraglich. Nicht jeder startet gerne ohne Brot und dafür mit Spiegelei und Speck in den Tag.
Info Atkins, Robert:
Die neue Atkins-Diät; Agatston, Arthur: Die South Beach Diät. Leichter Leben mit weniger Kalorien und mehr Bewegung "Zählen Sie Kalorien – nicht Kohlenhydrate" so lautet der Ratschlag des US-Gesundheitsministers Tommy Thompson. Anfang des Jahres veröffentlichte das Ministerium neue Ernährungsempfehlungen. Erstmals ist darin eine konkrete Angabe zur Energiezufuhr enthalten:
Maximal 2.000 Kalorien täglich für Frauen im Alter von 31 bis 50 Jahre und 2.500 bis 2.600 Kalorien für Männer. Um diese Grenze nicht zu überschreiten, müssen sie Zucker, gesättigte Fette und Alkohol reduzieren. Besonderen Wert legen die Wissenschaftler auf Sport:
Normalgewichtigen empfehlen sie, sich täglich mindestens 30 Minuten, Übergewichtigen sich bis zu 90 Minuten zu bewegen. So rückt das persönliche Wunschgewicht in erreichbare Nähe.
Denn nur wer mehr Kalorien verbraucht, als er zu sich nimmt, kann wirklich abnehmen. MR
Diskutiere zu diesem Thema in unserem Forum oder schreib einen Kommentar.
powered by shape up >> jetzt abonnieren |