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Essen, was Ihrem Typ(en) schmeckt
Nach der Ayurveda-Lehre sind Sie ein Vata-, Pitta- oder Kapha-Typ und brauchen die zu Ihnen passende Ernährung.

Vor langer Zeit lebte im Himalaja eine Kultur, deren Menschen sich durch stabile Gesundheit und große Vitalität auszeichneten. Erst als die Menschen sich in Städten ansiedelten, begannen sie, immer stärker unter Krankheiten zu leiden. Daraufhin versammelten sich weise Seher und meditierten gemeinsam, um herauszufinden, wie eine krankheitsfreie Gesellschaft zu schaffen sei. Das Ergebnis der intensiven Einkehr: Die Lehre des Ayurveda.
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So beschreiben Dr. Karin Pirc und Wilhelm Kempe in ihrem Buch "Kochen nach Ayurveda" (erschienen bei Bassermann) die Entstehungsgeschichte dieser alten indischen Wissenschaft. Um Missverständnissen vorzubeugen – selbstverständlich ist diese Lehre von einem natürlichen Lebensstil kein Allheilmittel. Aber: Von einigen Ideen und Gedanken, die von den Meistern des Ayurveda seit rund 4.500 Jahren an ihre Schüler weitergeben werden, könnten auch wir profitieren. Das Essen etwa spielt in dieser "Wissenschaft vom Leben" eine zentrale Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten.
Dabei lässt sich die ayurvedische Ernährungslehre auf die knappe Formel bringen: Essen Sie nur, worauf Sie Appetit haben. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass selbst gesundes Essen seine volle Wirkung auf unseren Körper nur entfalten kann, wenn es mit Freude genossen wird. Deshalb sollte man sich immer Zeit zum Essen nehmen, den Tisch schön decken und die Speisen ansprechend anrichten. Zugegeben – das ist in der Hektik des Alltags nicht immer möglich. Nicht zuletzt darin liegt aber nach Ayurveda die Ursache vieler Gesundheitsstörungen. Oft haben zudem jahrelang schlechte Gewohnheiten und unvernünftiges Essverhalten unser natürliches Empfinden für die wirklichen Bedürfnisse des Körpers verdrängt. Wir müssen erst wieder lernen auf unseren Körper zu hören.
Auch dabei kann die Ayurveda-Lehre helfen. Sie unterscheidet die Menschen nach ihrer individuellen Konstitution und teilt sie in drei Typen (Doshas) ein: Vata-, Pitta- und Kapha-Typen.
Wer welchem Typ angehört, kann nur ein ayurvedischer Arzt mit Hilfe der traditionellen Pulsdiagnose bestimmen. Selten ist die Zuordnung eindeutig – die meisten Menschen sind Mischtypen. Pirc und Kempe haben für ihr Buch allerdings einen Test entwickelt, mit dem sich jeder selbst einschätzen kann. Erkennen Sie sich wieder?

Die Schärfe der Chili regt die Verdauung an und gleicht Vata- und Kapha-Störungen wie etwa Blähungen, Verstopfung, kalte Hände oder Neigung zu Entzündungen aus. ( Foto: Ostmann-Gewürze )
Der Vata-Typ ist von schlankem Körperbau und hat ein leichtes Gewicht. Er nimmt nur schwer zu und hat unregelmäßig Appetit. Vata-Typen leiden häufig unter unregelmäßiger Verdauung und neigen zu Verstopfungen. Sie brauchen wenig Schlaf, bewegen sich schnell, haben aber keine große Ausdauer. Dafür ist ihre Auffassungsgabe schnell, sie sind einfallsreich und leicht zu begeistern.
Ayurveda-Tipp: Vollreife Bananen haben eine beruhigende Wirkung und helfen gegen unregelmäßige Verdauung.
Der Pitta-Typ zeichnet sich durch einen mittleren Körperbau aus, ist mittelgroß und nimmt leicht zu und ab. Er isst gerne und viel, hat einen guten Stoffwechsel. Fällt mal eine Mahlzeit aus, reagieren Pitta-Typen schnell gereizt. Sie verfügen über einen scharfen Intellekt, neigen aber manchmal zum Perfektionismus. Generell verfügen sie über ein gutes Gedächtnis, sind gute Redner, arbeiten zielstrebig und gut strukturiert.
Ayurveda-Tipp: Das bei uns häufig verwendete Meersalz erhitzt den Organismus nach ayurvedischer Auffassung zu sehr und kann z.B. zu Hautkrankheiten und frühzeitiger Faltenbildung führen. Pitta-Typen sollten lieber Salinensalz zum Würzen verwenden.
Der Kapha-Typ neigt zu kräftigem Körperbau und einer ausgeprägten Muskulatur. Er nimmt leicht zu und schwer ab. Kapha-Typen haben häufig Hunger und Durst. Sie verfügen über ein gutes Langzeitgedächtnis und strahlen Gelassenheit und Ruhe aus, sind aber manchmal zögerlich. Sie brauchen viel Schlaf, haben eine ausgezeichnete Ausdauer und bewegen sich eher gemächlich.
Ayurveda-Tipp: Papaya werden im Ayurveda sehr geschätzt, da sie die Verdauung anregen, die Fettverbrennung unterstützen und das Immunsystem stärken. Jeder Mensch ist unterschiedlich stark durch diese drei Bioenergien geprägt. Voraussetzung für körperliche und geistige Gesundheit ist das harmonische Gleichgewicht der drei Doshas in uns. Die Ernährung spielt dabei eine Schlüsselrolle: Die Ayurveda-Küche schreibt allen Nahrungsmitteln, Gewürzen und Getränken Einfluss auf die Doshas zu. Sie unterscheidet dabei sechs Geschmacksrichtungen: süß, sauer, salzig, bitter, herb und scharf. Jede wirkt stärkend oder schwächend auf die Doshas und stellt so das Gleichgewicht wieder her. Mit der richtigen Ernährung und Lebensweise soll es gelingen, Störungen zu beseitigen, die sich in Unwohlsein, Gesundheitsproblemen oder auch Antriebslosigkeit äußern. Die ayurvedische Ernährungslehre lässt sich auch auf unsere Ernährungsgewohnheiten anwenden. Ohnehin sind uns heute viele asiatische Nahrungsmittel längst vertraut und die Gewürze spielen auch in unserer traditionellen Ernährung eine Rolle. Sogar die Lebensmittelindustrie hat Ayurveda für sich entdeckt: In Zusammenarbeit mit einem indischen Wissenschaftler hat die Firma Maintal drei Sorten Ayurveda-Bio-Fruchtaufstrich entwickelt – für jede Dosha eine.
Generell vertritt Ayurveda die Auffassung, bevorzugt erntefrisches Obst und Gemüse aus der Region zu essen, in der wir leben. Ausnahmen sind Produkte wie Zitrusfrüchte oder Basmatireis, die generell leicht verdaulich sind.
Denn eine gute Verdauung gilt in der ayurvedischen Ernährungslehre als Schlüssel zu einem gesunden Leben. Viel Einfluss schreibt Ayurveda den Kräutern und Gewürzen zu. Pirc und Kempe bezeichnen sie als die Juwele der ayurvedischen Küche. Denn sie sind nicht nur unentbehrlich für den guten Geschmack, sondern machen Essen und Getränke besser verdaulich. Gut essen, richtig würzen und heilen bedeutet im Ayurveda ein und dasselbe. Wer seinen persönlichen Konstitutionstyp kennt, kann sein Essen so würzen, dass die übermäßig angeregten Doshas beruhigt und die schwachen Doshas gestärkt werden. Hilfe bietet hierbei die von Pirc und Kempe zusammengestellte Gewürz- und Kräuterkunde.

Gewürze sind die Juwele der ayurvedischen Küche: Ingwer wirkt ausgleichend auf alle Doshas, Zimt fördert die Gedächtniskraft, Pfeffer regt die Verbrennung an und entzieht Giftstoffe, Koriander tut gut bei Allergien. ( Foto: Ostmann-Gewürze )
Basilikum, Koriander, Muskat, Safran oder Zimt – all diese Würzmittel haben im Ayurveda ihre Bedeutung. Mit ihnen fällt es leicht, eine gesunde Ernährung zu praktizieren. So empfiehlt die ayurvedische Ernährungslehre z.B. den auch bei uns als Hausmittel bekannten Fenchelsamen, um den Darm zu beruhigen, Krämpfe zu lösen und Blähungen zu vertreiben. Ingwer und Zimt gelten gar als Universalmittel, wohltuend für Menschen mit schwacher Gesundheit.
Schwarzer Pfeffer – ein alltägliches Gewürz in deutschen Küchen – kurbelt die Fettverdauung an und aktiviert die im Körper bereits vorhandenen Nährstoffe. Und Kaffee wird durch eine Prise Kardamom viel bekömmlicher. Um die Kraft von Kräutern und Gewürzen wirklich richtig zu nutzen, kommt es sehr auf ihre Qualität an. Verwenden Sie nur frische Kräuter und mahlen Sie Gewürze am besten in einem Mörser. Sehr viele ayurvedische Rezepte verwenden zudem Ghee, ein gereinigtes Butterreinfett, das einfach herzustellen ist oder im Asialaden gekauft werden kann. Es hat die Fähigkeit, die Heilkräfte von Kräutern und Gewürzen noch zu verstärken. Lust auf diese gesunde Art zu essen macht das im Südwestverlag erschienene Buch "Ayurveda – Das Kochbuch" der Hamburger Köchin Elisabeth Flügers. Die Mehrzahl der Rezepte allerdings ist vegetarisch. Zwar steht auch Fisch auf dem ayurvedischen Speiseplan; er spielt im Vergleich zu den Grundnahrungsmitteln Reis und Getreide aber eine untergeordnete Rolle. Zudem wird ausschließlich Fisch mit weißem Fleisch gegessen. Denn rotfleischiger Fisch gilt in der Ayurveda-Lehre als sauer und würde den Organismus zu sehr belasten.
Fleisch gilt im Ayurveda als Ursache vieler Krankheiten und soll die Lebensspanne verkürzen. Denn unser Körper benötigt für die Verdauung von Fleisch viel Energie Körper und Geist werden träge.
Vielerorts werden heute von Volkshochschulen, Restaurants oder Gesundheitszentren Ayurveda-Kochkurse, -Kuren und Seminare angeboten. Interessenten finden so leicht einen Einstieg in dieses jahrtausendealte Gesundheitssystem. Letztlich ist es gar nicht so schwer, sich auf Ayurveda einzustellen: Im Grunde geht es nur darum, Kleinigkeiten zu verändern. ME
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     [14.02.2005]
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