
Immer häufiger verbreitet sich das Ernährungsmärchen, dass Jod und jodiertes Speisesalz gefährlich seien, Allergien auslösen und sogar chronische Schilddrüsenerkrankungen hervorrufen. Berichte wie "Gesundheitsschädigendes Jodsalz", "Jod verursacht Hashimoto" und "Jod ist ein Medikament, das nicht ohne weiteres verabreicht werden darf", versetzen viele Verbraucher in Angst und Schrecken. Deutschland ist aber ein Jodmangelgebiet und ernährungsbedingte Überversorgung mit dem Spurenelement gibt es nicht.
Anzeige Allergien gegen das Jod in unseren Lebensmitteln gibt es nicht und auch die Sorge um eine mögliche Überversorgung mit dem Spurenelement durch Lebensmittel oder Jodsalz ist unbegründet, erläutert Gesellschaftssprecher Sven-David Müller-Nothmann. Lediglich Meeresalgen und daraus hergestellte Produkte können übergroße Jodmengen enthalten. Immer wieder kursiert das Gerücht, dass die Jodanreicherung von Lebensmitteln in Form von Jodsalz für bestimmte Menschen gesundheitsschädlich sei. Derartige Aussagen oder Veröffentlichungen verunsichern Verbraucher.
Da in Deutschland das Kochsalz jodiert wird, können mit einer Kochsalzzufuhr von 10 Gramm pro Tag im Schnitt genau die empfohlenen 200 Mikrogramm Jod aufgenommen werden. Da ein Großteil der Menschen einen geringeren Kochsalzverbrauch hat (6 bis 8 Gramm), wird nicht einmal diese Menge erreicht, so Müller-Nothmann. Deshalb können alle Menschen Jodsalz uneingeschränkt verwenden. Selbst bei Patienten mit autonomen, Schilddrüsenhormon produzierenden Bezirken der Schilddrüse ("heiße Knoten") ist die Jodmangelprophylaxe mit Jodsalz unproblematisch. Der Jodanteil im Speisesalz ist so berechnet, dass keine Überdosierung erfolgt, auch wenn alle Nahrungsmittel mit Jodsalz hergestellt würden. Gesundheitliche Schäden durch zu hohe Dosen Jod aufgrund der Jodprophylaxe können nicht entstehen. Im Gegenteil. Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Roggenbrot oder Käse enthalten pro 100 Gramm nur 3,8 bis 8,5 Mikrogramm Jod. Daher ist eine zusätzliche Jodanreicherung des Salzes wichtig, um den Tagesbedarf decken zu können. Denn das Problem in Deutschland ist nicht die Überversorgung sondern die Unterversorgung der Bevölkerung mit Jod. Deutschland ist nach wie vor ein Jodmangelgebiet, noch immer beträgt die Jodaufnahme nur etwa zwei Drittel der empfohlenen Zufuhrmenge, betont Müller-Nothmann. Und das obwohl Jod ein lebensnotwendiges Spurenelement ist, ohne das die für unseren Organismus wichtigen Schilddrüsenhormone nicht produziert werden könnten.
Die Mangelsituation in Deutschland belastet das Gesundheitssystem stark. Derzeit haben fast 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland einen Kropf, bei Kindern schwanken die Zahlen zwischen 13 und 50 Prozent, je nach Alter und Geschlecht. Insgesamt betragen die durch jodmangelbedingte Erkrankungen rund eine Milliarde Euro jährlich. Die Angst vor einer Überversorgung mit Jod ist unbegründet, denn eine ernährungsbedingte Jodunverträglichkeit gibt es nicht. Jod im Speisesalz kann weder eine Jodallergie noch eine Jodakne auslösen, wie irrtümlicherweise immer behauptet. Dies ist nur mit großmolekularen Jodverbindungen möglich, wie sie in jodhaltigen Medikamenten, Röntgenkontrastmitteln oder Desinfektionsmitteln enthalten sind. Die hormonabhängige Schilddrüsenkrankheit Hashimoto wird zwar durch große Jodmengen gefördert und daher sollten Hashimoto-Patienten auch jodhaltige Medikamente meiden. Geringe Mengen Jod, die üblicherweise in Nahrungsmitteln sind, sind dagegen auch für diese Patienten unproblematisch. Das Spurenelement ist also für jedermann notwendig und es gibt keinen Anlass dazu, Einsprüche gegen die wichtige Jodprophylaxe zu erheben, betont Schirmer abschließend. TS
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