
Fischöl lindert den Rheumaschmerz deutlich.Im vergangenen Jahr veröffentlichten Münchner Wissenschaftler beeindruckende Studienergebnisse (1), die eine wesentliche Abnahme der Gelenkschmerzen und –schwellungen durch Fischöl bei einer vegetarischen Kost mit fettarmen Milchprodukten zeigten, berichtet heute Diplom Oecotrophologe Thomas Reiche von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. in Bad Aachen.
Anzeige An der randomisierten placebokontrollierten doppelblinden Studie nahmen 60 Patienten mit rheumatoider Arthritis und einem Durchschnittsalter von 57 Jahren teil, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden. 30 Probanden erhielten über acht Monate eine übliche Mischkost, die restlichen Probanden verzehrten eine modifizierte laktovegetarische Kost, deren Gehalt an Arachidonsäure unter 90 Milligramm lag. Zusätzlich erhielten alle Patienten drei Monate lang täglich entweder sechs Fischölkapseln mit jeweils 245,3 Milligramm Omega-3-Fettsäuren oder sechs Placebo-Kapseln mit 1 Gramm Maiskeimöl. Nach zweimonatiger Auswaschphase wurden Test- und Kontrollprobanden beider Gruppen im Sinne einer Crossover-Studie getauscht. Als Ergebnis stellten die Forscher fest, dass allein die laktovegetarische Kost die Anzahl an schmerzhaften und geschwollenen Gelenken um 14 Prozent verringerte. Darüber hinaus konnten die Autoren zeigen, dass der therapeutische Effekt der Omega-3-Fettsäuren umso größer war, je effektiver die pflanzliche Kost den Arachidonsäurespiegel der Patienten gesenkt hat: Fischöl bewirkte bei der vegetarischen Ernährungsweise eine signifikante Reduzierung der Schmerzhaftigkeit und Schwellung der befallenen Gelenke um 28 Prozent beziehungsweise 34 Prozent im Vergleich zu 11 Prozent beziehungsweise 22 Prozent bei Mischkost.
Die Omega-3-Fettsäure mit der höchsten Wirksamkeit, die Eicosapentaensäure (EPA), ist vor allem in fettreichem Seefisch enthalten. Um aber die erforderliche Menge von etwa 1 Gramm EPA aufzunehmen, müsste man täglich 200 Gramm Lachs oder 650 Gramm Forelle verzehren, erläutert Gesellschaftssprecher Sven-David Müller, und empfiehlt daher den Einsatz von hochdosierten Fischölpräparaten. Auch wenn einige Ärzte und sogar Rheumakliniken noch immer der Ernährung zur Behandlung von Rheumapatienten eine geringe Rolle beimessen: Ernährungswissenschaftler haben in zahlreichen Studien nachgewiesen, dass eine Verminderung der Arachidonsäure in der Kost durch eine vegetarische Ernährungsweise die Schmerzen lindert und den Verlauf von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises verbessert, so Reiche.
Die Arachidonsäure ist eine Omega-6-Fettsäure, die vor allem in tierischen Nahrungsmitteln, besonders reichhaltig im Schweinefleisch, enthalten ist und rheumatische Erkrankungen verschlimmert. Daher begünstige die in weiten Teilen der Bevölkerung übliche fleischreiche Kost mit einem zu geringen Anteil an pflanzlicher Frischkost den so genannten degenerativen Gelenkabbau und unterhält die zu Schmerzen führende Entzündung; bei fortgeschrittenem Gelenkabbau gelangen abradierte Knochenpartikel in das Gelenk und lösen dort Steifigkeit, später Anfangsschmerzen und schließlich massive Dauerschmerzen aus, zeichnet Reiche das Krankheitsbild der am häufigsten vorkommenden rheumatischen Erkrankung, der Arthrose, nach.
In der jetzt erschienenen Rheuma- und Gichtampel finden sich für über 2.600 Lebensmittel Werte für Kilokalorien, Purine, Arachidonsäure und Omega-3-Fettsäuren, sowie einen Ampelwert für den Anti-Entzündungsfaktor. Das geniale Ampelsystem verrät auf einen Blick, ob Betroffene ein Lebensmittel bedenkenlos essen können oder ob sie sich besser zurückhalten sollten. Die Rheuma- und Gicht-Ampel, ISBN 3-426-64130-85, ist im Knaur-Verlag erschienen und kostet 8,90 Euro (2). Da Rheumatiker einen erhöhten Bedarf an Antioxidanzien haben, kann eine Supplementierung mit den Vitaminen E und C, sowie mit den Spurenelementen Selen und Zink den Rheumaschmerz noch besser lindern, so Reiche abschließend.
Tipp zum Jahr der gesunden Ernährung 2004 Blattsalate wie Kopfsalat, Eisbergsalat, Lollo Rosso, Eichblattsalat oder Endiviensalat enthalten reichlich Wasser und nur wenig Kalorien. Ein ganzer Eisbergsalat enthält gerade mal 126 Kilokalorien. Die meisten Salatsorten zeichnen sich durch einen hohen Folsäuregehalt aus.
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