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Wir schmachten nicht mehr, wir schlemmen schon
„Ich bin dann mal schlank“ stürmt die Verkaufscharts.

Diät macht dick. Sport auch. Pflanzliche Öle und Kohlenhydrate können sogar die Gesundheit schädigen. Wer die passende Taktik sucht, um die Schlacht am Kühlschrank dauerhaft zu gewinnen, braucht „Ich bin dann mal schlank“, den neuen Ratgeber von Deutschlands witzigstem Ernährungs-Entertainer Patric Heizmann. Im Interview erklärt Patric Heizmann, was Menschen brauchen, die ihr Wunschgewicht genießen wollen.
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Frage: Herr Heizmann, in Ihrem neuen Ratgeber erklären Sie gleich auf dem Titel „Ich bin dann mal schlank“, als ob das ganz einfach wäre. Dabei weiß jeder, dass die meisten Diäten scheitern.
Patric Heizmann: Das stimmt leider. Aber die Diäten scheitern, weil die Leute zu viel falsch machen. Mit dem Ratgeber-Titel möchte ich zeigen, dass Abnehmen auch im Kopf stattfindet. Man muss sich informieren, die typischen Fallen erkennen, sich selbst zum Durchhalten motivieren. Nur dann gelingt es, die Ernährung langfristig umzustellen.
Frage: Sie raten Ihren Lesern, nicht weniger zu essen, sondern Fette und Kohlenhydrate zu trennen und dadurch von alleine abzunehmen. Wie funktioniert das?
Patric Heizmann: Im Prinzip wie ein Ofen. Wenn ich in einem Ofen fette Briketts verbrennen will, bleiben die einfach liegen, so lange ich immer Papier nachstopfe. Beim Körper ist es genauso. Er verbrennt Kohlenhydrate wie Zucker und Süßigkeiten sofort. Ans Fett kommt er gar nicht heran, weil er ständig leicht Entflammbares bekommt.
Frage: Also mittags das Weißbrot mit Marmelade und abends ein Steak mit Nudeln?
Patric Heizmann: Besser mittags ein Vollkornbrot mit Kräuterquark und abends ein Steak mit Bohnen. So lassen sich gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Der Mensch bekommt hochwertige Nährstoffe. Der Körper hat genügend Zeit, die Brot-Kohlenhydrate zu verbrennen, und kann später ungestört das Steak und damit auch überflüssiges Fett wegschmelzen.
Frage: Oh je, Quark und Bohnen. Da bekommt man doch irgendwann Heißhunger auf etwas Richtiges?
Patric Heizmann: Genau! Vor allem am Anfang, wenn man diese Kost noch nicht gewohnt ist. Deshalb sollte man sich langsam umstellen. Wer Heimweh nach seinen alten Gewohnheiten bekommt, gibt normalerweise bei Diäten gleich wieder auf. Das Heizmann-Prinzip sieht deshalb Tage vor, an denen jeder essen darf wie früher, um glücklich zu bleiben. Diese Tage werden meist automatisch reduziert, wenn jemand merkt, dass es ihm mit weniger Gewicht und gesund ernährt viel besser geht.
Frage: Nehmen Frauen anders ab als Männer?
Patric Heizmann: Frauen sind seltener übergewichtig als Männer. Auch das fängt im Kopf an. Wenn fünf beleibte Herren in der Sauna sitzen, gucken sie sich den jeweils dicksten Bauch an und sind beruhigt: „Im Vergleich zu dem da bin ich ja noch toll in Form“. Danach geht es direkt zur Pommesbude. Frauen schauen nur auf die Dünnste, ärgern sich („Mensch, bin ich dick.“) und tun etwas dagegen.
Frage: Beim Sporttreiben haben die Männer aber die Nase vorn?
Patric Heizmann: Meist nur am Anfang. Ich war viele Jahre Trainer in Fitness-Studios und weiß, wie Frauen und Männer ticken. Männer jagen sofort los. Nach dem Motto „Mehr bringt auch mehr“ mit Puls bis zum Anschlag. Danach klappen sie fast ab, sind völlig unterzuckert und plündern den Kühlschrank, so dass sie am Ende mehr gegessen haben als an Tagen ohne Sport.
Frage: Kühlschrank-Plündern ist aber für Frauen auch kein Fremdwort.
Patric Heizmann: Wo Männer schnell übertreiben, sind Frauen eher zu untertourig im Einsatz. Sie walken ein bisschen, schwimmen eine Runde und machen Pause, sobald es anstrengend wird. Mit dem guten Gefühl „Ich habe ja Sport getrieben“ schlagen sie dann bei der nächsten Mahlzeit gleich doppelt zu und wundern sich, dass die Waage bald mehr anzeigt und nicht weniger.
Frage: Wie finde ich denn den richtigen Sport und das richtige Maß zum Abnehmen?
Patric Heizmann: Die meisten Menschen stecken zu viel Zeit und Energie ins Ausdauertraining. Ausdauertraining ist zwar gut und sehr gesund, wirkt aber nur fettverbrennend, während man joggt oder radelt. Viel effektiver ist Muskeltraining. Wer Muskeln hat, verbrennt auch im Ruhezustand noch Fett, zum Beispiel im Schlaf.
Frage: Das klingt praktisch. Aber Muskeln kommen nicht von allein.
Patric Heizmann: Leider nicht. Dafür müssen wir gezieltes Muskeltraining betreiben und bereit sein, uns ein bisschen anzustrengen. Doch das ist gar nicht so schwer wie die meisten befürchten. Das Training im Fitness-Studio ist immer die beste Lösung. Für den Anfang reicht es jedoch auch aus, zuhause ein wenig zu trainieren. In meinem Ratgeber zeige ich Übungen, die jede und jeder daheim im Wohnzimmer machen kann.
Frage: Ausgerechnet im Wohnzimmer auf dem Sofa hockt ja meist ein gefährlicher Hund, der innere Schweinehund.
Patric Heizmann: So einen habe ich auch zuhause. Ich boxe regelmäßig gegen ihn und weiß inzwischen, wie ich ihn zahm kriege. Man kann sein Knurren nämlich ignorieren. Das akzeptiert er sobald er merkt, dass er damit nicht mehr zum Faulenzen oder zu Fressgelagen verführen kann.
Frage: Braucht man solche Psychotricks im Kampf gegen die Pfunde?
Patric Heizmann: Wer sich gesund ernähren will, steht anfangs ständig unter Psychoterror und sollte möglichst viele Tricks kennen. Da ist auf der einen Seite die innere Stimme, die Schokolade will. Auf der anderen Seite meldet sich die Vernunft, die Schokolade verbietet. Ich vergleiche diese Situation mit der Regierung einer Stadt, in der Gewohnheitsfanatiker und Revolutionäre gegeneinander kämpfen. Am Ende gewinnt doch immer der, der besonders diplomatisch vorgeht.
Frage: Diplomatisch abnehmen – wie muss ich mir das vorstellen?
Patric Heizmann: Es geht darum, den eigenen Körper an etwas Neues zu gewöhnen. Dafür müssen wir alte Gewohnheitsnetzwerke umprogrammieren. Zum Beispiel mit emotionalen Bildern im Kopf. Wir dürfen uns nicht einfach herumkommandieren nach dem Motto „Nie wieder Schoko“. Wir müssen uns überzeugen: „Seht her, uns geht es mit dem leckeren Eiweiß-Shake doch viel besser.“ Und das tun wir so lange, bis wir die neue Situation nicht mehr als Schmachten, sondern als Schlemmen empfinden.
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Weitere Informationen unter www.patric-heizmann.de
[ JT ]
     [16.07.2009]
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