
Experten sind sich einig: Übergewicht bei Kindern kann nur reduziert werden, wenn die ganze Familie ihre Ess- und Bewegungsgewohnheiten umstellt. Auf der Nordseeinsel Borkum wird hierzu ein einzigartiges Therapiekonzept angeboten.Max war bei seiner Geburt ein Wonneproppen. Schon als Baby entwickelte er eine Vorliebe für gesüßte Tees und schrie häufig so lange, bis er das gewünschte Getränk bekam. Süßigkeiten in jeder Form blieben auch in den nächsten Jahren seine Lieblingsspeisen und so wurde aus dem süßen Baby fast unmerklich ein dickes Kind. Max gehört zu einer immer größer werdenden Gruppe von übergewichtigen Kindern in Deutschland. Seine ererbten Anlagen, aber vor allem seine Ernährungsgewohnheiten und mangelnde Bewegung machen es ihm schwer, ein normales Gewicht zu erlangen und zu halten.
Anzeige Diäten sind tabu! "Finger weg von Diäten", warnen Experten wie Dr. Hermann Linzmeier. Der Chefarzt der Kinderheilkunde am Fachklinikum Borkum kennt die Gefahren einer Mangelversorgung während Wachstums- und Entwicklungsschüben im Kindesalter. Damit Kinder ein normales Gewicht erlangen und halten, müssen Familien ihre Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten langfristig umstellen.
"Ich habe immer wieder versucht, Max die Süßigkeiten zu verbieten", erinnert sich Max Mutter. "Es gab jedes Mal viel Streit und Geschrei." Als Max mit 8 Jahren auch noch Asthma bekam, war der Familie klar, dass sie professionelle Unterstützung benötigt. Denn - daran hatte Max Hausarzt keinen Zweifel gelassen - Asthma und Übergewicht sind eine gefährliche Kombination für das Herz-Kreislaufsystem. Er beantragte für Max eine Rehabilitation im Fachklinikum Borkum. "Das Konzept, dass ich Max begleite und dort geschult werde, hat mich von Anfang an überzeugt", meint Sabine Keller. "Für mich hätte es wenig Sinn gemacht, Max alleine irgendwo zum Abnehmen hinzuschicken."
Eltern als Co-Therapeuten Für Kinder mit Übergewicht wurde nun eigens ein Therapiekonzept speziell für das Alter von 4-10 jährigen entwickelt. Während des dreiwöchigen Aufenthaltes geht es nicht darum, das Gewicht des Kindes radikal zu reduzieren, sondern die Ernährungsgewohnheiten in sinnvolle Bahnen zu lenken und ein individuelles Bewegungsprogramm zu entwickeln, das auch im Alltag fortgesetzt werden kann und so das Gewicht auch langfristig stabilisiert wird. Da Kinder dies noch nicht eigenverantwortlich umsetzen können, wird die Begleitperson zum Co-Therapeuten des Kindes ausgebildet.
Dabei spielt auch die psychologische Unterstützung eine große Rolle. "Mir haben die Gespräche mit der Psychologin im Fachklinikum Borkum sehr geholfen", sagt Sabine Keller. Mit ihrer Hilfe übte sie beispielsweise, wie sie sich am besten in den nervenaufreibenden Auseinandersetzungen um Süßigkeiten verhält.
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